Entstehungsgeschichte der Tour

Schon als kleiner Junge habe ich die Zirkusleute beneidet, die in unserem Dorf ihr Zelt aufgebaut hatten. Neugierig blickte ich in die großen Wohnwagen, staunte über die Einrichtung. Fremd war mir damals nur der Geruch nach Knoblauch. Und die Kinder gingen ja auch zur Schule – so wie wir. Ja, und dann war wieder die Zeit gekommen und sie zogen weiter.

Später bei der Bundeswehr haben mir die „freilaufenden“ Übungen am meisten Spaß gemacht: Für kurze Zeit irgendwo auf einem Hof oder in einem Waldstück „unterziehen“ und auf den nächsten Befehl warten. Dann sich schnell die Gegend ansehen – Naherkundung. Und am nächsten Tag war man schon wieder woanders. Das Übungsende hatte immer etwas Erfreuliches, man fuhr wieder nach Hause. Aber mit dem Übungsende war auch das „Zigeunerleben“, das ewig Neue, vorbei.

Im März 2008 habe ich bei der SIEMENS AG einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Obwohl ich meine Kunden alle abgegeben hatte und im Büro nichts mehr machen durfte, musste ich noch für mehr als drei Monate ins Büro nach Bremen fahren und dort am Schreibtisch sitzen. Vielleicht haben die beiden Erfahrungen aus meiner Kindheit und der Zeit bei der Bundeswehr dazu geführt, dass ich in dieser Zeit die ersten Ideen für eine Deutschland-Tour zu Papier bzw. in EXCEL niedergelegt habe. Ich hatte ja einen PC mit Internet-Zugang, ein Telefon und einen Farb-Laserdrucker. Und so fing ich damals mit den ersten Planungen an.

Die Planungen wurden immer wieder mal beiseite gelegt, aber nie vergessen oder verworfen. Es gab Zeiten, da habe ich sie als Spinnerei abgetan, jedenfalls am Anfang. Vor vier Jahren bin ich dann konkreter geworden. Mittlerweile stand für mich fest, dass ich nicht nur an der deutschen Grenze entlang fahren wollte, sondern auch jeweils dem Nachbarland einen kurzen Besuch abstatten wollte. Die grobe Zeitplanung ergab, dass es wohl ein halbes Jahr dauern würde. Aber über Ostern wollte ich noch nicht weg sein. Schließlich würde ich da ja das Osterfeuer vom Schützenverein verpassen. Also Ostern.

Ich schaute im Kalender nach, wie denn Ostern in den nächsten Jahren liegen würde. Und so kam ich auf das Jahr 2016. Da liegt Ostern sogar schon im März. Die nächste Frage war: Wie herum fahre ich denn? Über Holland, Belgien, Luxemburg oder lieber über Dänemark, an der Ostsee entlang nach Polen? Als Ergebnis kam heraus, das ich zur schönsten Jahreszeit, im Sommer, in Bayern sein würde. Das war ja auch soweit in Ordnung. Aber dann war entscheidend, dass es im April an der Ostsee noch wesentlich kühler ist als es im September der Fall sein wird. Also entschied ich mich für den Kurs „entgegen dem Uhrzeiger“.

Meine Frau ist in den Wintermonaten viel mit Theaterproben und –aufführungen beim Niederdeutschen-Theater –Delmenhorst beschäftigt. So habe ich abends häufig, um nicht zu sagen immer, vor dem PC gesessen und an meiner Tour gefeilt. Das Ergebnis ist jetzt eine EXCEL-Tabelle, in der nicht nur die Tage, Start- und Zielort, Entfernungen, Campingplätze mit email und Tel.-Nr. sowie Preisen enthalten sind, sondern ich kann auch ersehen, auf wie vielen Plätzen ich eine oder mehrere Nächte bin, an wie vielen Tagen ich 40, 60 oder 80 und mehr Kilometer zu fahren habe und wie lange ich dafür brauchen werde. Auch Sehenswürdigkeiten und geplante Freizeitaktivitäten sind vermerkt. Natürlich kann ich am Ende dann auch sagen, wie viel Diesel ich verbraucht habe und was mich der Spaß gekostet hat. Die einzelnen Tagesetappen habe ich mit Orts- und Kilometerangaben in Tabellenform notiert. Ein Navi ist damit nicht erforderlich.

Aber jetzt – Mitte Februar 2016 – ist alles abgeschlossen und es wird Zeit das es losgeht. Die Tabelle ist „ausoptimiert“. Die Abstellmöglichkeit für das Gespann während des Fahrenhorster Schützenfestes ist geklärt. Meine ehemalige Kollegin Ute Esfeld organisiert bei einem Bauern in Börwang bei Kempten im Allgäu eine Unterstellmöglichkeit. Sie bringt mich sogar zum Bahnhof in Kempten und holt mich dort auch wieder ab. Sogar der Termin für die Werksführung bei FENDT in Marktoberdorf ist schon bestätigt: Mittwoch, 22. Juni 12:30 Uhr im FENDT-Forum.